Die Digitalisierung verändert die gesamte Wertschöpfungskette der Automobilindustrie. Sie bieten in diesem Bereich unter anderem PS LiveStream an. Wie funktioniert die App?

Mit PS LiveStream verschaffen Sie sich einen Eindruck vom Zustand eines Fahrzeugs, ohne den Schreibtisch verlassen zu müssen. Stellen Sie sich vor, der Kunde einer Autovermietung fährt eine Laterne an. Er fragt über die Servicehotline, wie er mit dem Schaden umgehen soll. Der Vermieter kann dann über die App eine Videokonferenz mit dem Maintenance-Manager einberufen.

Um den Schaden zu begutachten, lenkt er den Fahrer um das Auto herum und zoomt sich von seinem eigenen Rechner aus den kaputten Blinker und die Lackschäden heran. Er greift quasi durch das Gerät hindurch, erfasst so den Schaden und kann dem Kunden schnell weiterhelfen. Indem die App Distanzen überwindet, hilft sie Flottenbetreibern in ganz unterschiedlichen Situationen, sehr viel Zeit zu sparen, da der Weg zum Fahrzeug nicht mehr zurückgelegt werden muss. Damit lassen sich die Kosten erheblich senken.

Hohe Prozesskosten bereiten dem Fuhrparkmanagement generell Bauchschmerzen? Wie kann PS-Team hier entlasten?

Seit der Unternehmensgründung vor nunmehr 33 Jahren macht PS-Team im Grunde nichts anderes, als Prozesse zu durchleuchten und möglichst effizient zu gestalten. Wenn Flottenbetreiber diverse Standardaufgaben bei der Ein- und Aussteuerung ihrer Fahrzeuge an uns auslagern, senken sie damit automatisch ihre Kosten. Wir übernehmen allein 630.000 Fahrzeugregistrierungen und -stilllegungen im Jahr.

Daraus ergeben sich enorme Skaleneffekte. Auch all unsere digitalen Produkte zielen darauf ab, die einzelnen Abläufe im Fuhrpark günstiger, sicherer und besser zu machen. So setzen unsere Kunden beispielsweise die App PS Ticket dazu ein, das Strafzettelmanagement zu automatisieren. Hier liegen wir aktuell bei etwa 65.000 Vorgängen im Jahr. Dank unserer Branchenerfahrung gelingt es uns, immer weitere Teile der gesamten Prozesskette elektronisch abzubilden. Daraus ergibt sich ein wirtschaftlicher Effekt, der sich mit individuell entwickelten Softwarelösungen für einzelne Aufgaben nicht vergleichen lässt.

Welche Veränderungen haben Sie im Flottenmarkt in den vergangenen Jahren erlebt – was ist in Zukunft zu erwarten?

Flottenfahrzeuge werden seit Jahrzehnten IT-gestützt gemanagt. Im Zuge der Digitalisierung gewinnen für den Fuhrpark Daten und deren Interpretation noch einmal an Bedeutung. Connected Cars eröffnen ungeahnte neue Möglichkeiten, bringen aber auch viele Fragen mit sich, zum Beispiel wem die Daten gehören, die über Sensoren im Fahrzeug erfasst werden. Sie ließen sich in ganz unterschiedliche Richtungen analysieren. Praktisch prägen die neuen Technologien schon heute unsere Stadtbilder. So gewinnt neben dem stationsbasierten Carsharing das Free-Floating-Modell Marktanteile.

Generell lassen sich heute schon viele Ideen technisch umsetzen, während die rechtliche Seite noch nicht einmal in Ansätzen gelöst wurde. So ist es bis heute nicht gelungen, einen flottentauglichen elektronischen Prozess für die Fahrzeugregistrierung und -stilllegung zu etablieren. Auch die Elektromobilität betrifft Fuhrparks. Für uns ergeben sich daraus neue Herausforderungen: Wenn wir die Überführung eines Neuwagens organisieren, müssen wir wegen der geringen Reichweite entweder Zwischenstopps zum Laden einplanen oder auf Fremdachse transportieren lassen.

Selbst OEMs bieten inzwischen Flottenmanagementsysteme an, die markenübergreifend funktionieren sollen und die Konkurrenzfahrzeuge einbinden, weil Insellösungen nicht mehr funktionieren. Bei PS-Team fühlen sich die gesamte Branche der Autovermieter, Leasinggesellschaften und große Unternehmensfuhrparks aufgehoben. Vor welchen Herausforderungen stehen die Anbieter heute, wenn Sie einen Gesamtblick auf die Branche einnehmen? 

In der Tat sind an den Prozessen rund ums Fuhrparkfahrzeug verschiedene Unternehmen beteiligt. Am Anfang stehen die Fahrzeughersteller. Nicht nur wir wünschen uns dringend, dass sie sich für den elektronischen Datenaustausch öffnen. Für den ganzen Lebenszyklus in der Flotte müssen die Fahrzeugdaten im elektronischen Format vorliegen.

In der Regel lesen wir diese aus Dokumenten wie der ZB II und der CoC aus, obwohl die Dokumente selbst elektronisch erstellt wurden. Das sind unnötige Medienbrüche. Zwar haben wir Systeme entwickelt, die Unterlagen sehr sicher in Daten „zurückübersetzen“, aber gesamtwirtschaftlich entstehen so Mehraufwände. Wenn die Daten manuell eingegeben werden, sind Fehler und damit Störungen in den Abläufen vorprogrammiert.

Neben dem operativen Geschäft und der Entwicklung neuer Produkte hat PS-Team also viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Darüber hinaus steckt das Unternehmen Zeit und Energie in ein Programm, das es den Mitarbeitern ermöglicht, Fahrräder zu sehr günstigen Konditionen zu leasen. Weshalb?

Zum einen zeigen wir damit, dass Mobilität auch ohne Abgase geht. Zum anderen reiht sich die Wunschrad-Aktion in eine Vielzahl von Maßnahmen ein, mit der wir die Gesundheit unserer Mitarbeiter fördern. Durch den geringen Nettoeffekt können sie sich nun Räder leisten, die das Haushaltseinkommen sonst nicht hergeben würde. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: Es motiviert enorm, morgens mit dem E-Bike an Weinbergen vorbei zur Firma zu radeln.

Am 20. und 21. März 2019 treffen sich in Düsseldorf Entscheider und Experten auf der Netzwerkmesse „Flotte! Der Branchentreff“. Was werden Sie dort präsentieren?

Auf unserem Stand H1 gleich am Eingang in Halle 8a präsentieren wir unser gesamtes softwaregestütztes Dienstleistungsspektrum für Flottenbetreiber und treffen viele Kunden und Partner. Selbstverständlich bringen wir auch unsere neuen digitalen Lösungen wie PS Ticket und PS LiveStream mit. Um ein Gefühl für die Technik zu bekommen, können unsere Besucher die Video-App in echten Sessions ausprobieren.