Im Jahre 1909 erfand der Deutsche Fritz Hofmann den künstlichen Kautschuk. Ohne diesen würden wir heute noch auf dünnen Vollgummis über die Straßen rumpeln. Seit seiner Erfindung sind Autoreifen ständig weiterentwickelt worden. Sie wurden breiter, griffiger und vor allem belastbarer und sorgen deshalb für mehr Sicherheit. Seit einigen Jahren sollen die Reifen nun auch grün sein.

Grüne Reifen sind nach wie vor schwarz, aber im entscheidenden Punkt anders: Dank niedrigen Rollwiderstands sparen sie Sprit. Würde jeder Lastwagen und jeder Pkw in Europa auf grünen Reifen rollen, könnten jährlich 4,5 Milliarden Liter Diesel und 1,5 Milliarden Liter Benzin eingespart werden, haben Experten der EU-Kommission errechnet. Der CO2-Ausstoß ließe sich so um 15 Millionen Tonnen verringern. Leichter gesagt als getan.

Der steinige Weg ins Grüne

Denn der grüne Reifen aus nachwachsenden Rohstoffen mit nur geringen Anteilen an fossilen Materialien, ist ein Traum jedes Reifenentwicklers. Schon heute arbeiten Chemiker daran, den Traum wahr werden zu lassen. Sie ersetzen fossile Öle durch Rapsöle sowie Polyester durch Rayon als Festigkeitsträger für den Reifenunterbau. Gleichzeitig werden Synthese- und Naturkautschuk durch immer größere Anteile von recyceltem Gummi aus Altreifen ersetzt.

Doch der Weg ist steinig, denn nicht alle Rohstoffe, die in Reifen enthalten sind, können einfach durch nachwachsende Stoffe ersetzt werden. Vielfach verschlechtern sich durch solche Stoffe die Bremseigenschaften oder der Rollwiderstand – und Rückschritte werden Reifenhersteller nicht akzeptieren. Auch ist der breite Ersatz von fossilen Materialien durch nachwachsende Rohstoffe nicht immer ein Ausweg, da Anbaufläche benötigt wird, die heute möglicherweise bereits für die Nahrungsmittelproduktion genutzt wird. Schon heute bestehen einige Pkw-Reifen zu knapp 45 Prozent aus Rohstoffen, die nicht erdölbasiert sind. Reifen sind in puncto umweltschonende Rohstoffe also deutlich besser als ihr Ruf.

Erste vielversprechende Entwicklungen

Vielversprechend als Ersatzstoff ist derzeit beispielsweise die Kautschukgewinnung aus Löwenzahn, die die Kautschukgewinnung aus dem Gummibaum ersetzen könnte. Auf brachliegenden Feldern in Europa angebaut, käme es weder zur Konkurrenz mit Nahrungsmitteln noch zu langen Transportwegen in die europäischen Reifenwerke. Gleichzeitig könnte man den Industrieruß in der Mischung durch Kieselsäure ersetzen.

Schon so könnten 20 Gewichtsprozent eines Reifens durch natürliche Stoffe ersetzt werden. Als entweder nachwachsend gewonnen oder aus Recyclinganlagen kommend, wären auch Weichmacher und Harze im Reifen denkbar. Doch bis ein wirklich grüner Reifen auf den Markt kommt, dauert es noch mindestens fünf Jahre, meinen zumindest Reifenexperten.